Hilfebedarf von Menschen mit Behinderung

 

Die Betreuung unserer Bewohner und Bewohnerinnen orientiert sich an den sieben Lebensbereichen nach Dr. Metzler.

Eine Arbeitsgruppe von Dr. Heidrun Metzler entwickelte an der Universität Tübingen ein Verfahren zur Messung des Hilfebedarfs behinderter Menschen, das sog. HMB-"Metzler"-Verfahren. In sieben Lebensbereichen werden anhand von Beurteilungskriterien Aktivitäten und Hilfebedarf in verschiedenen Alltagssituationen ermittelt.


Alltägliche Lebensführung

  • Einkaufen: Lebensmittel, Gegenstände des täglichen Bedarfs einkaufen (Einkauf planen, Geschäfte aufsuchen, auswählen)
  • Zubereitung von Haupt- und Zwischenmahlzeiten: Übliche Wege der Zubereitung von Hauptmahlzeiten und Zwischenmahlzeiten sowie Getränken, einschließlich Benutzung von Geräten
  • Wäschepflege: Persönliche Wäsche waschen, flicken, aus- und einsortieren, einschließlich der Bedienung von Geräten
  • Ordnung im eigenen Bereich: Aufräumen, Zimmer / Sanitärbereich reinigen
  • Geld verwalten: Kenntnis des Geldwertes, Einteilung des Geldes
  • Regeln von finanziellen und (sozial-)rechtlichen Angelegenheiten: Ausfüllen von Formularen, Stellen von Anträgen, Bankgeschäfte etc., ggf. Kooperation mit gesetzlichem Betreuer


Individuelle Basisversorgung

  • Ernährung: Auswahl von Art und Menge der Nahrung, Essen und Trinken, Zerkleinern usw.
  • Körperpflege: Ganz- oder Teilwaschung, Morgen- und Abendtoilette (außer Baden / Duschen), Umgang mit Menstruation
  • persönliche Hygiene / Toilettenbenutzung: Aufsuchen der Toilette, sachgerechte Benutzung, Umgang mit Inkontinenz
  • Aufstehen / zu Bett gehen: Grundfertigkeiten der Mobilität (körperliche Fähigkeiten), motivationale Aspekte


Gestaltung sozialer Beziehungen

  • im unmittelbaren Nahbereich: Beziehungen zu Mitbewohnern/Nachbarn/Mitarbeitern, Regelung von Konflikten, Vermeidung von Isolation, Einhalten von Absprachen
  • zu Angehörigen: Aufrechterhaltung der sozialen Beziehungen, Kontaktaufnahme, Klärung von Konflikten
  • in Freundschaften / Partnerschaften: Aufbau und Aufrechterhaltung stabiler sozialer Beziehungen, Kontaktaufnahme, Klärung von Konflikten


Teilnahme am kulturellen und gesellschaftlichen Leben

  • Kompensation von Sinnesbeeinträchtigungen und Kommunikationsstörungen; Unterstützung der Kulturtechniken: Nutzung von Hilfsmitteln wie Langstock, Hörgerät, PC etc.; Aneignung und Gebrauch von Gebärdensprache, Erschließen alternativer Kommunikationswege bei fehlender oder stark eingeschränkter Sprache etc.
  • Zeitliche Orientierung: Kenntnis der Uhrzeit, Tag-Nacht-Rhythmus, Zeitstruktur
  • Räumliche Orientierung in vertrauter Umgebung (alle Orte, die regelmäßig aufgesucht werden; Wohnung, Wohnumfeld, Weg zur Arbeit etc.)
  • Räumliche Orientierung in fremder Umgebung (einschließlich Verkehrssicherheit)


Kommunikation und Orientierung

  • Bewältigung von Angst, Unruhe, Spannungen
  • Bewältigung von Antriebsstörungen, Interesselosigkeit, Apathie etc.
  • Bewältigung paranoider oder affektiver Symptomatik
  • Umgang mit und Abbau von erheblich selbst- und fremdgefährdenden Verhaltensweisen


Emotionale und Psychische Entwicklung

  • Gestaltung freier Zeit / Eigenbeschäftigung: planvolle und persönlich sinnvolle Nutzung freier Zeit, Einteilung der Zeit, Ausführen von Hobbies, Entwicklung persönlicher Vorlieben
  • Teilnahme an Freizeitangeboten / kulturellen Veranstaltungen: Information über Angebote, Auswahl von Angeboten, aktives Aufsuchen von Angeboten (einschließlich der dazu erforderlichen körperlichen Mobilität)
  • Begegnung mit sozialen Gruppen / fremden Personen: sich zurecht finden in fremden Gruppen, Sozialverhalten, Bewältigung von Konflikten (im Freizeit- und Arbeitsbereich)
  • Erschließen außerhäuslicher Lebensbereiche: Motivation zum Besuch von Schule, Arbeitsplatz, Beschäftigungsbereich u.ä.; Bewältigung des Weges zum außerhäuslichen Lebensbereich etc.
  • Entwickeln von Zukunftsperspektiven, Lebensplanung: Auseinandersetzung mit der eigenen Behinderung, Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle in der Gesellschaft, Entwickeln persönlicher Ziele


Gesundheitsförderung und -erhaltung

  • Ausführen ärztlicher oder therapeutischer Verordnungen: Bereitstellung, Dosierung und Einnahme von Medikamenten, (Körper-)Übungen
  • Absprache und Durchführung von Arztterminen: Auswahl, Terminvereinbarung, Aufsuchen der Praxis etc.
  • Spezielle pflegerische Erfordernisse: Dekubitusprphylaxe, Bedienung von Beatmungsgeräten, pflegerische Erfordernisse bei Sondenernährung etc.
  • Beobachtung und Überwachung des Gesundheitszustandes: Regelmäßige Kontrollen (z. B. bei Diabetes, Vitalzeichen-Kontrolle, Beobachtung bei Erkrankungen, Erkennen von Krankheitssymptomen etc.)
  • Gesundheitsfördernder Lebensstil: Kenntnisse über gesunde Ernährung, körperliches Training / Bewegung, Vermeiden gesundheitsschädigender Verhaltensweisen
https://www.diakonie-westsachsen.de/wohn-_und_pflegestaette_werdau_metzler-verfahren_de.html