Gedanken zum Spruch des Monats - September 2022

Wer von Ihnen besuchte als Jugendliche(r) den Konfi-Unterricht?

Dann erinnern Sie sich sicher noch an die Lektion zum Aufbau der Bibel. Sie besteht aus 39 Schriften des Alten Testaments und 27 Schriften des Neuen Testaments. Zusätzlich zu den überlieferten Urtexten gibt es noch später verfasste Schriftrollen, bei deren Zuordnung sich die Wissenschaftler nicht einig sind: gehören Sie zur Bibel – also dem Wort Gottes – oder nicht? Sie heißen Apokryphen und sind in manchen gedruckten Bibeln drin, in anderen nicht.

Unser Monatsvers im September stammt aus einem dieser 7 Apokryphen-Bücher. Es heißt Sirach und ist nach seinem Verfasser benannt. Ich habe es einmal durchgeblättert und staunte nicht schlecht, denn es liest sich mit seinen 51 Kapiteln wie ein Lehrbuch über das Leben. Würde es heute neu aufgelegt werden, könnte es heißen „Wie Sie in 51 Wochen glücklich werden“ oder „51 Lektionen, die Ihr Leben verändern“.

Das Internet ist voll von Übersichten wie „30 Bücher, die dein Leben verändern können“ oder „Die besten Bücher über das Leben“. Mal abgesehen davon, dass da sicher auch wertvolle Tipps dabei sind – ich bin erstaunt, wie kompakt und umfassend Lebensweisheit im Buch Sirach zusammengetragen wurde. Es finden sich sehr viele inhaltliche Parallelen zum neuen Testament, zum Buch der Sprüche und den Psalmen. Und ja, die Bibel kann es mit all den anderen Glücklichmacher-Listen mehr als aufnehmen! Es ist EIN Buch, mit integrierten 66 bzw. 73 Büchern mit den Apokryphen.

Das Buch Sirach spricht über Angst und Vertrauen, über den Umgang zwischen Eltern und Kindern, über Hilfe für die Armen, verantwortungsvolles Reden, den Umgang mit Freunden, das Verhalten in der Gesellschaft, Warnung vor Überheblichkeit, den Umgang mit Geld, über Erhalt der Gesundheit und so vieles mehr. Wenn ich das alles gelesen habe, stehen mir die Sprüche Salomos oder die Bergpredigt zur Verfügung und dann natürlich die anderen 70 Bücher – die Bibel ist wirklich ein Buch, das man ein Leben lang (immer wieder) lesen kann. Denn wir wissen alle: einmal gelesen ist noch lange nicht umgesetzt!

Es gibt allerdings einen wesentlichen Unterschied zu allen anderen Glücklichmacher-Büchern: Das Fundament, auf dem alles Glücklichsein nur möglich ist, ist die Beziehung zu Gott, der nicht nur die Erde gemacht hat, auf der wir leben, sondern auch jeden Einzelnen von uns. Er ist sozusagen unser Konstrukteur und hat deshalb die beste „Bedienungsanleitung“. Ich kann mir im Umgang mit meinen Mitmenschen die allergrößte Mühe geben und dabei vielleicht sogar sehr viel Gutes bewirken, aber mein Innerstes wird trotzdem „hinken“. In meinem Innersten ist dieses „Loch“, dieses Bedürfnis, dass nur mit Gott gefüllt werden kann. Wir sind so geschaffen! Sirach hat das erkannt. Gleich zu Beginn seiner 51 Kapitel voller Lebensweisheit legt er das Fundament: „Alle Weisheit kommt vom Herrn und ist bei ihm für alle Ewigkeit. … Der Herr selbst hat die Weisheit geschaffen … und gibt sie denen, die ihn lieben. Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.“ Sirach 1,1-10

Vor der Weisheit für unser alltägliches Leben kommt die Weisheit, Gott zu lieben. Diese Liebe befähigt mich, nach Gottes Geboten zu leben. Ich muss Gott nicht mit guten Werken zufrieden stellen, aber weil er mich liebt, darf ich Ihm mit guten Werken meine Liebe zeigen. Und wenn ich dem Heiligen Geist in mir Raum gebe, werden all diese Lebensweisheiten auch schrittweise zur Entfaltung kommen.

Olivia Müller