Gedanken zum Spruch des Monats - November 2021

Der Herr aber richte eure Herzen aus
auf die Liebe Gottes
und auf das Warten auf Christus.

2.Thessalonicher 3,5

Wir gehen auf den Ewigkeitssonntag und die Adventszeit zu. Da passt der Vers ganz gut. Danach kommt Weihnachten und bald schon ist Ostern, dann Himmelfahrt und danach Pfingsten. Wir wiegen uns im Jahreskreis der Feste und wissen schon, was als Nächstes kommt. Das ist wie Schaukeln: wir schwingen vor und zurück und wieder vor und zurück... Alles ist schön vorhersehbar und geht seinen gewohnten Gang.

Oh, ich möchte mal kurz in die Seile der Schaukel greifen. Vielleicht auch ganz abrupt stoppen oder abspringen. Reicht es uns wirklich, diesen Gleichklang fast automatisiert zu leben? Wir gehen in den Gottesdienst, vielleicht auch zu Gemeindeveranstaltungen. Es ist uns ernst. Wir haben gelernt: Ein Christ tut dieses, aber jenes nicht. Ein Christ hält sich an bestimmten Stellen raus, ist folgsam und treu. Wir meinen zu wissen, was richtig oder falsch ist und sind auch schnell dabei, andere Menschen entsprechend zu beurteilen. Bei all dem Hin- und Her-Geschaukle frage ich mich: Wo bin ich gewachsen? Bin ich gereift als Mensch, der Gott ein Gegenüber sein und seine Liebe an die Mitmenschen weitergeben darf? An welcher Stelle bin ich einem frommen Trott verfallen? Wo mache ich mir selbst, Gott, meinen Mitmenschen etwas vor?

Wie war denn aber das Leben Jesu? Gar nicht vorhersehbar. Gar nicht auf den eingetretenen Wegen. Er sorgte immer wieder für Überraschungen - nicht weil er Aufsehen erregen wollte, sondern weil er ganz auf seinen Vater im Himmel ausgerichtet war. Jesus hat von Gott täglich neu gezeigt bekommen, was dran ist, was ein Mensch in einer bestimmten Situation braucht. Es gab kein Erfolgsrezept und selten Dinge, die sich wiederholt haben. Wenn wir Jesus folgen und uns auf ihn ausrichten, dann folgt das Leben nicht vorgezeichneten Mustern. Richte ich mein Herz wie eine Satellitenschüssel auf Jesus aus, um zu spüren, was IHM auf dem Herzen liegt, was SEINE Anliegen sind, wo ER mich braucht, dann entfaltet sich ein dynamisches, atmendes, veränderbares Leben.

Klingt das anstrengend? Immer neu ausrichten. Immer neu suchen. Immer neu beginnen. Nein! Der Vers spricht davon, dass Gott unsere Herzen auf seine Liebe ausrichtet. Ich darf lockerlassen, dann kann er meine "Satellitenschüssel" einstellen - er kennt die Richtung. Gott lenkt mich dahin, wo ich etwas sehen soll, wo er mir etwas zeigen will. Ich vertraue ihm und werde Christus erleben. Da brauche ich mir nichts abringen. Dann fließt das Leben.

Lasst uns mit diesem Gebet durch den November gehen:

Herr, richte unsere Herzen auf deine Liebe aus.
Wir erwarten dein Handeln, Jesus.
Du bist die Quelle, Ursprung und Ziel unseres Lebens.
Lass deine Liebe und dein Leben durch uns fließen.
Wir danken dir!
Amen.

Olivia Müller