Gedanken zum Spruch des Monats - Juni 2022

Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod.
Hoheslied 8,6

Das Hohelied aus dem Alten Testament ist eine Sammlung von Liebesgedichten voller Emotionen und Leidenschaft. Ganz bildlich wird die Verbindung zwischen Geliebter und Geliebtem beschrieben - das gegenseitige Vermissen, Suchen und Finden. Das Hoheslied ist im Vergleich zu den anderen Büchern der Bibel ein ganz ungewöhnlicher Abschnitt.

Im Neuen Testament wird diese Thematik fortgeführt. Jesus wird beschrieben als Bräutigam, der seine Gemeinde liebt und als Braut zu sich nehmen möchte. Auch fordert die Bibel die Männer dazu auf, ihre Frauen so zu lieben, wie Jesus die Gemeinde geliebt hat. Hingebungsvoll. Leidenschaftlich. Liebe so stark bis in den Tod.

Das Hohelied ist also beides: eine romantische Beschreibung zweier Liebender und ein Spiegelbild für die Liebe zwischen Gott und den Menschen.

66362942_960.jpgGott spricht uns an: Lege mich wie einen Siegelring auf dein Herz, wie einen Siegelring auf deinen Arm. Will heißen, Gott wünscht sich, dir so nahe zu sein, so wichtig zu sein wie das wichtigste "Ausweisstück". Das Siegel war früher die Unterschrift, das persönliche Dokument. Das trugen die Menschen immer bei sich und durften es nicht verlieren. Gott wirbt darum, diesen Stellenwert bei uns zu haben, so dass wir immer darauf aufpassen, diese Beziehung nicht zu verlieren. Es geht nicht um Befehle, um Gesetze, nicht um richtig oder falsch. Es geht um Liebe, um Beziehung - das ist das Sehnlichste was sich Gott mit uns wünscht. Er weiß, er kann Liebe nicht befehlen, er weiß, wir können Liebe nicht "machen". Er wirbt um unsere Liebe wie ein Verliebter sich nach dem/der Geliebten sehnt. Die Liebe findet ihren Ausdruck in der Begegnung, in der Zeit miteinander, im Reden, im Tun. Wenn Gottes Liebe wie ein Siegel auf unserem Herz - dem Zentrum unserer Liebe - und unserem Arm - dem Werkzeug unseres Handels - liegt, dann wird das, was wir von uns geben und tun, von der Liebe Gottes geprägt sein.

Das klingt so schön, so anstrebenswert! Dennoch ist unser Alltag so wenig davon durchdrungen. An dieser Stelle sage ich gerne: Solange ein Mensch atmet, gibt es die Chance zur Umkehr, zum Neustart, zum Neuausrichten und Kurs-korrigieren. Nicht ich habe diese Liebe, sondern Gott! Was erwarte ich denn von mir? Wenn ich so lieben will, werde ich von mir nur enttäuscht sein. Ich schaffe es nicht, aber Gott schon! In den folgenden Versen heißt es: Unüberwindlich wie der Tod, so ist die Liebe, und ihre Leidenschaft so unentrinnbar wie das Totenreich! Wen die Liebe erfasst hat, der kennt ihr Feuer: Sie ist eine Flamme des HERRN! Mächtige Fluten können sie nicht auslöschen, gewaltige Ströme sie nicht fortreißen. Die Liebe Gottes ist nicht anfechtbar wie meine menschliche Liebe, die bei Ärger oder Hindernissen schnell umschlägt. Die Liebe Gottes kann nicht ausgelöscht werden und durch nichts zerstört werden. Daran habe ich Teil, wenn ich diese kleine, aber feine Sache tue, zu der Gott mich auffordert: Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Und wenn ich diese Verbindung im Alltag verloren habe, dann kann ich immer wieder an diesen Punkt zurückkehren und es wieder tun: ich lege Gottes Liebe wie ein Siegel auf mein Herz und wie ein Siegel auf meinen Arm. Täglich. Stündlich. Dann wird diese Liebe stark sein, weil es die starke Liebe Gottes ist.

Olivia Müller