Gedanken zum Spruch des Monats - Juli 2022

Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.
Psalm 42,3

Oh es ist Sommer! Heiß! Ich habe Durst… Das Gefühl kennen wir sehr guten in diesen Tagen. Auch im Monatsvers Juli geht es um Durst. Lesen wir die Verse drum herum mit, merken wir, dass das nicht nur Appetit auf ein kühles Getränk ist, sondern es geht um existenziellen Durst.

Ohne Essen mag man eine Weile auskommen, aber ohne Trinken geht es schnell zu Ende. So lebensnotwendig das Trinken für unseren Körper ist, so grundlegend durstig – also sehnend äußert sich der Psalmbeter. Er sehnt sich mit seinem ganzen Wesen, seinem Innersten nach Gott.

An dieser Stelle wird noch einmal nachgefasst: Er sehnt sich nach Gott, dem lebendigen Gott.

Aus dem Psalm im Ganzen geht hervor, dass er sich auch danach sehnt, zum Tempel zu gehen, in das Haus Gottes. Als Verfasser des Psalms werden die Söhne Korachs genannt. Als sie noch nah an Jerusalem wohnten, war es ihre Gewohnheit, zum Gottesdienst in den Tempel zu gehen. Nun waren sie in den Norden gezogen und deshalb zu weit weg, um regelmäßig den Tempel zu besuchen. Und an dieser Stelle haben sie eine ganz neue Chance: Sie merken, dass nicht der Tempel (das Kirchengebäude) und auch nicht der Ort oder der Priester (der Pfarrer) den Ausschlag geben. Sie sind genötigt, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren und merken: Egal wie es mir geht, wie schlimm meine Umstände sind, was ich erdulde oder leide: ich vertraue Gott, dem lebendigen Gott. Nicht Steinen. Nicht Menschen. Nicht heiligen Orten.

Die Not seiner Umstände treibt den Psalmbeter zu Gott. Tröstende Rituale wie den Tempelbesuch gibt es gerade nicht. Und in diesem Verlust liegt ein noch viel größeres Geschenk: die Begegnung mit Gott, dem lebendigen Gott. Eine Begegnung von Angesicht zu Angesicht. Daraus fließt ein gestärkter Glaube und ein Friede, wie ihn die Welt nicht geben kann:

Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.
Psalm 42,12

Suchen wir doch immer wieder diese persönliche Begegnung mit dem lebendigen Gott!

Ja, Durst kommt immer wieder. Einmal eine Flasche Wasser leer trinken, reicht trotzdem nicht für den nächsten Tag. Es ist gut, wenn immer wieder in uns die Sehnsucht nach Gott aufkeimt. Die Sehnsucht nach dem lebendigen Gott. Der mich sieht. Der mich kennt. Der mir hilft. Dem ich ein Gegenüber bin, mit dem Gott in Beziehung treten kann.

Denken wir an den Beginn der Menschheit, sehen wir, dass dies unsere ureigentliche Berufung ist: Gott war im Garten Eden mit Adam und Eva zusammen. Sie unterhielten sich. Sie teilten das Leben miteinander. Es war keine formelle, höfliche Beziehung, sondern ein natürliches Miteinander. Das geht im Bewohnerzimmer, auf der Parkbank, beim Essen oder wo auch immer. Was sagt uns die Bibel, was wir wirklich brauchen? Gebet, Zeit mit Gott, eine Beziehung zu ihm, den Heiligen Geist, der uns zeigt, was dran ist und wo wir gebraucht werden. Das reicht, mehr braucht es nicht. Das ist existenziell, danach sehne ich mich.

Olivia Müller