Gedanken zum Spruch des Monats - April 2022

Im März habe ich einen Tag im BRUNNEN (Christliche Lebensgemeinschaft e.V.) in Niederalbertsdorf verbracht. Ein Tag zum Aufräumen, Auftanken, Konzentrieren und Neuausrichten. So etwas habe ich noch nie gemacht. Der Tag war neblig-trüb und kalt. Absolute Windstille ließ das Windrad auf dem Feld stillstehen. Im Stillstehen wird keine Energie erzeugt – zumindest trifft das auf die Technik zu. Das Stillewerden der Seele, des Herzens hingegen erscheint mir lebensnotwendig in einer überdrehten Zeit.

Ich habe also einen Tag „Stille“ gebucht, erhalte ein Zimmer, das mein Rückzugsort sein wird. In dem schlichten Raum stehen zwei Betten, die ich zwar nicht brauchen werde, weil ich am Abend wieder nach Hause fahre und dennoch sind diese gastlich hergerichtet mit einer Süßigkeit und einem Willkommenskärtchen. Ich steuere eins der Betten an und lese neugierig die Karte:

Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut's nicht, dem ist's Sünde. 
Jakobus 4,17

Puh! denke ich, das ist ja eine straffe Ansage. Vielleicht hätte ich doch lieber das andere Bett auswählen sollen? Ich nehme die andere Karte und lese gespannt:                      

Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.
Ich will sie zu Wasserbächen führen auf ebenem Wege, auf dem sie nicht straucheln; denn ich bin Israels Vater.

Jeremia 31,9

Na, das gefällt mir schon besser :-) Und in diesem Moment habe ich schon kurz nach der Ankunft mein erstes Aha-Erlebnis. Ich staune, wie mich Jesus an diesem Ort abholt. Im Bild gesprochen sind beide Betten meine! In all den Fragen, die ich heute dabeihabe, wird mir Jesus beides sein:

  • Der, der mich sammelt und der, der mich sendet.
  • Der, der mich befähigt und der, der mich beauftragt.
  • Der, der mich liebt und möchte, dass ich meine Mitmenschen liebe.
  • Der, der mir vergibt und möchte, dass ich meinen Mitmenschen vergebe.
  • Der, der mir hilft und möchte, dass ich meinem Nächsten helfe.

Das Evangelium ist an dieser Stelle einfach, aber in der Umsetzung hänge ich so oft hinterher. Ich kann es nicht erfüllen, aber Jesus in mir kann es.

Wenn wir im April Ostern feiern, wünsche ich mir und uns allen von Herzen, dass es uns geht wie Maria Magdalena. Sie war traurig, trauernd, suchend und fragend. Sie geht an den Ort, an dem Jesus nach seinem Tod am Kreuz begraben wurde. All ihre Hoffnungen liegen in dieser Felsenhöhle. Als sie am Grab dem auferstandenen Herrn begegnet, ändert sich alles. Aus Trauer wird Freude, ihr Suchen wird ein Finden. Das ist die Wirkung, die Jesus auch heute noch hat. Seine Kraft ist die Gleiche. Ich wünsche uns dieses „Sehen“ von Maria – ein Erkennen Jesu und ein daraus folgendes Handeln.

Maria Magdalena lief nun zu den Jüngern und berichtete ihnen: »Ich habe den Herrn gesehen!« Und sie erzählte alles, was Jesus ihr gesagt hatte.
Johannes 20,18

Eine segensreiche Passions- und Osterzeit wünscht Olivia Müller