Wer war Dr. Pinel?

 

Philippe Pinel war ein französischer Psychiater und seit 1794 leitender Arzt am Hôpital Salpêtrière.

* 20. April 1745 in Jonquières im Département Tarn
† 25. Oktober 1826 in Paris

Er setzte dort als erster eine ärztliche Behandlung ohne Zwangsbehandlung durch, die später als no restraint bekannt wurde. Um die Entwicklung der Psychiatrie zu einer medizinischen Wissenschaft erwarb er sich große Verdienste, darüber hinaus auch um die gesamte Auffassung vom biologisch-pathologischen Geschehen. Pinel zählt, gemeinsam mit Marie François Xavier Bichat, zu den führenden Köpfen der Pariser klinischen Schule der Medizin.

Der Sohn des Landarztes und Chirurgen Philippe Francois Pinel kam erst über die Theologie und Philosophie mit 30 Jahren zur Medizin und studierte in Toulouse, Montpellier und Paris. Für eine mathematisch-statistische Arbeit erhielt er ein Diplom. Von der Philosophischen Fakultät wurde er 1772 promoviert, von der Medizinischen 1773. 1774 zog er nach Montpelier. Eins seiner Hauptwerke war die philosophische Nosographie. Sein Bemühen war darauf ausgerichtet, für die einzelnen Krankheiten ein natürliches System aufzustellen. Er wandte sich der Psychologie zu und fand besonderes Interesse an den Geisteskrankheiten. So erstellte er eine genaue Lehre der Krankheitszeichen bei Geisteskrankheiten und gab der Psychiatrie des 19. Jahrhunderts damit eine neue Grundlage. Durch seine Beschreibung der klinischen Entwicklung der verschiedenen psychischen Erkrankungen wurde es möglich, das Gebiet der Psychiatrie in die allgemeine Medizin aufzunehmen. Ferner bewirkte er eine grundlegende Reform der „Irrenanstalten“ (Befreiung der Geisteskranken von ihren Ketten) und wies völlig neue Wege in der Behandlung Geisteskranker.
1792 übernahm er die Leitung der Anstalt Bicêtre und 1795 eine neue Abteilung für geisteskranke Frauen in der Salpêtrière. Die „Irrsinnigen“ wurden nun nicht mehr als Zuchthäusler, sondern wie Kranke behandelt – Pinels wohl größtes Verdienst. Dennoch wirft Pinels Handeln auch Kritik auf. Behandlungsmethoden wie eiskalte Duschen oder der Einsatz von Zwangsjacken übten immer noch einen großen Druck auf die psychisch Erkrankten aus, sie wurden nicht so schonend behandelt wie körperlich Kranke. Auch die Integration der psychisch gestörten Menschen in die Gesellschaft wurde von ihm nicht angestrebt.
Später wurde er beratender Arzt des Kaisers, Mitglied der Akademie der Wissenschaften und schließlich 1804 Ritter der Ehrenlegion. Am 25. Oktober 1826 starb Pinel in Paris an einer Hirnblutung. Nach Pinel ist der Pinelsweg in Hamburg-Barmbek-Süd benannt.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Philippe_Pinel

https://www.diakonie-westsachsen.de/sozialtherapeutische_wohnstaette_glauchau_wer_war_dr_pinel_de.html