"Da sind wir sehr zufrieden..."

 

Seit Januar 2018 betreibt das Diakoniewerk Westsachsen im Auftrag des Landkreises Zwickau die Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende in St. Egidien. Von den 149 Plätzen sind derzeit 80 belegt. Wir haben mit dem Team darüber gesprochen, wie das erste halbe Jahr gelaufen ist.

Bis 2017 haben Sie das Wohnprojekt für Asylsuchende in Hohenstein-Ernstthal betreut. Hat sich Ihr Arbeitsalltag verändert?

Cindy Hennig: Das kann man überhaupt nicht vergleichen. Während wir dort viele Familien in Wohnungen untergebracht und begleitet haben, leben hier immer zwei Frauen oder Männer auf je zwölf Quadratmetern zusammen. Ihnen fehlt der Rückhalt der eigenen Familie, sie müssen sich mit den Bedingungen arrangieren...

Toufik Abacha: Da wundert es uns nicht, wenn es mal zu psychischen Problemen bei Bewohnern kommt. Das würde uns nicht anders gehen.

Gab es denn auch Erfreuliches in den vergangenen Monaten?

Ina Weise: Aber ja! Vieles sogar. Wir alle sind ganz vernarrt in „unser“ Baby Kinane. Er wurde im April geboren.

Cindy Hennig: Und wir sind stolz darauf, dass wir einen Deutschkurs für sieben Frauen auf die Beine stellen konnten, der hier im Haus im Gemeinschaftsraum durchgeführt wird.

Jochen Rada: Es ist auch schön zu sehen, dass die Männer einfach mal mit anpacken, wenn der Hausmeister draußen arbeitet.

Toufik Abacha: Oder wenn ein Bewohner, der von Beruf Friseur ist, spontan allen Männern übers Wochenende die Haare schneidet…

Vor der Haustür liegen St. Egidien und Lichtenstein. Wie kamen die Gemeinden mit den neuen Nachbarn zurecht?

Jochen Rada: Die Zusammenarbeit mit der Meldebehörde ist sehr angenehm; die anfängliche Skepsis mancher Nachbarn hat sich total gelegt. Da sind wir sehr zufrieden.

Cindy Hennig: Einer unserer Bewohner hat jetzt seinen Arbeitsvertrag unterschrieben bei einem Unternehmen hier im Gewerbegebiet. Es ist einfach klasse, dass es da keine Vorbehalte gibt.

Toufik Abacha: Einmal in der Woche kommt auch jemand auf ehrenamtlicher Basis und führt einen Film mit Untertiteln vor.

Ihre Bewohner kommen aus verschiedenen Ländern in Asien und Afrika – Wie verständigen Sie sich?

Ina Weise (lacht): Wir tanzen! Nein, im Ernst: Wir können manches mit dem google-Übersetzer lösen und vieles klären wir mit Händen und Füßen und viel gutem Willen – auf beiden Seiten.

https://www.diakonie-westsachsen.de/rueckblicke_aktuelles_1808_gemeinschaftsunterkunft_de.html