05.05.2021 - Digitalisierung im Berufsbildungsbereich

Corona? Fast egal – unser Berufsbildungsbereich wird digital!
Der Berufsbildungsbereich der Werkstatt für angepasste Arbeit „Lebensbrücke“ in Glauchau geht neue Wege

Das Thema Corona begleitet uns jetzt schon eine sehr lange Zeit. Seit Mitte März letzten Jahres nehmen wir die Einschränkungen und Veränderungen in unserem Werkstattbetrieb in Kauf. Auch neue Begriffe wie „Homeoffice“ und „Homeschooling“ sind zu unserem Wortschatz hinzugekommen. Das Betretungsverbot für Beschäftigte in Werkstätten bedeutete auch für unsere Teilnehmer der beruflichen Bildung jede Menge Veränderungen im Alltag. Wir haben kreative Ideen gesammelt und umgesetzt: die berufliche Bildung geht nun neue Wege.

Da unsere Werkstatt über einen Gruppenleiter mit IT-Erfahrung verfügt, haben wir schnell Verbesserungen im Fernunterricht einführen können. Dazu zählt unter anderem die Nutzung eines Messenger-Dienstes, wodurch eine barrierefreie, bessere Kommunikation gewährleistet werden konnte. Mit diesem Kurznachrichtendienst lassen sich sowohl Text- als auch Sprachnachrichten schicken. Weiterhin kam es zur Einführung einer Online-Plattform für den Berufsbildungsbereich (kurz: BBB). Teilnehmer, die in der Lage waren, ein Smartphone oder einen Computer zu bedienen, konnten ergänzend zu ihren Aufgaben per Post die Online-Plattform nutzen. Dort wurden Aufgaben, Unterweisungen zum Thema PRAXISBAUSTEIN, Lernvideos oder Rätsel präsentiert sowie wöchentlich aktualisiert. Die Teilnehmer waren gefordert, ihren Tag selbst zu strukturieren, die Zeit für die Aufgaben eigenständig einzuteilen und sich natürlich zu informieren, wann neue Aufgaben auf der Plattform erscheinen.

Eines ist ganz klar: Die Zeit des Betretungsverbotes war für alle Beteiligten, egal ob Gruppenleiter, Mitarbeiter oder Beschäftigte, sehr schwer. Wir sind jedoch froh, auch aus dieser Zeit viel gelernt zu haben. Zum Beispiel hätten wir es nie für möglich gehalten, dass Menschen mit Beeinträchtigungen während einer so prägenden Zeit so gut mit Veränderungen zurechtkommen, sei es die Nutzung des Messengers, der Onlineplattform, die Erstellung von Emailadressen im Vorfeld oder das Ausfüllen und Zurücksenden der Unterlagen im häuslichen Umfeld.

Auch das Infragestellen des bereits existierenden Systems im Berufsbildungsbereich gehörte für uns in der Aufarbeitung dieser besonderen Phase dazu. Das Betretungsverbot über mehrere Wochen haben wir so in der Form noch nie erlebt. Dennoch gehen wir gestärkt und mit neuen Ideen für das BBB daraus hervor: Wir haben seit der Wiederöffnung unserer Werkstatt zehn Tablets für den Berufsbildungsbereich angeschafft. Wir üben fast täglich den Gebrauch dieser Geräte mit den BBB-Teilnehmern. Sie bekommen Sicherheit durch routinierte Bedienung und finden mehr Abwechslung bei der Vermittlung von Lerneinheiten. Durch das Üben mit diesen Geräten im „normalen“ Alltag wollen wir bestehende Ängste der Teilnehmer abbauen. Im Falle einer erneuten Schließung der Werkstatt, aus welchen Gründen auch immer, können wir die internetfähigen Tablets mit nach Hause geben und einen Teil des Fernunterrichtes darüber durchführen, ohne das für den BBB-Teilnehmer Kosten oder Aufwand entstehen.

Wir sind sehr dankbar, dass alle BBB-Teilnehmer so fleißig mitgearbeitet, sich auf diese Veränderungen eingelassen haben und stets mit Neugier und Motivation dabei gewesen sind. Dies zeigt, wie wichtig das Thema Bildung auch für Menschen mit Handicap ist. Mit solchen Maßnahmen kann es gelingen, diese Menschen bestmöglich auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben zu unterstützen.

Stefanie Flemming, Sozialer Dienst